Bin immer wieder sprachlos wie tief der Graben zwischen technischen und Geisteswissenschaften ist. Wie absurd naiv das Bild vieler Techniker:innen von Lebewesen, Menschen, Bewusstsein einerseits ist. Aber wie geradezu karikaturhaft das Bild von Geisteswissenschaftler:innen von "Computern" ist. Das sind praktisch ausschließlich von Neumann-Maschinen, wenn man dem Bild folgt. Streng deterministisch. Analoge Rechenmaschinen, FPGAs, alles kein Thema.
Die KI-Bros wollen uns an die Singularität glauben lassen, was kompletter Bullshit ist und rein aus Marketing/Fundraising-Gründen passiert. Aber die Antwort darauf kann doch nicht ein naives Computerverständnis aus den *checks notes* 1940ern (sic!) sein.
Das ist mir etwas unangenehm aufgestoßen an diesem Vortrag: Hörsaal - Deutschlandfunk Nova: Künstliche Intelligenz - Wenn wir Maschinen wie Menschen behandeln von Thomas Fuchs
https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/kuenstliche-intelligenz-wenn-wir-maschinen-wie-menschen-behandeln
Diese Sicht führt nämlich zu Trugschlüssen: dass Mensch und Maschine fundamental verschieden seien zum Beispiel. Also geradezu unüberwindbar. Und das ist schlicht falsch, was Fischer auch aufgefallen sein müsste, wenn er über die Übernommenheit von Turings Test spricht. Denn ebenso überkommen schien damals zum Beispiel der Humunkulus aus Goethes Faust. Weil zu Goethes Zeit an gänzlich anderes Verständnis davon Bestand, was Leben eigentlich ist.
Der Kern des Problems liegt möglicherweise dort: haben wir eine brauchbare Definition davon, was "Bewusstsein" eigentlich genau sein soll? Eine Liste von Beispielen, die sich im Wesentlichen auf physische Interaktion mit der Umwelt beschränken, reichen dafür einfach nicht aus.