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Habe gerade vor eine autobezogene Handgreiflichkeit verhindert: Auf meinem Lieblingsfeldweg (für Darmstädter Autofahrer auch Bundesstaße genannt), kommt mir ein ein Mann mit vier Kindern auf dem Fahrrad entgegen. Die Kinder ca. im frühen Grundschulalter und eines erkennbar vielleicht 4 Jahre alt auf einem max. 20" Kinderrad unterwegs.
Dahinter ein Lieferwagen. Der Lieferwagenfahrer fährt dicht auf und - wie erwartbar - versucht Vater und das kleine Kind zu überholen. Der Vater schert aus, um das Manöver zu verhindern, der Lieferwagenfahrer hupt.

Ich gehe dazwischen, weil sich Männersachen ankündigen. Aber imho war das neben der Owi zu Versuchen zu überholen der Versuch einer Nötigung durch den Lieferwagenfahrer.

Als ich beide halbwegs beruhigt habe, versuche ich dem Lieferwagenfahrer zu erklären, was los ist. Ja, für Landwirschaft darf er hier reinfahren. Aber er muss beim Überholen Abstand halten und dafür ist hier kein Platz. Sein Chef habe ihm aber gesagt, er dürfe hier überholen.

Er hat mich auch gefragt, ob ich ihm das jetzt vorwerfe, weil er Ausländer sei. Die Frage hat mich erschreckt. Leider nicht wirklich überrascht, aber wenn man sie gestellt bekommt, ist sie erschreckend: denn wie kann die Stimmung im Lande und das Verhalten von Menschen so abstoßend sein, dass Menschen das erfahren und denken?
Klares Nein, und falls es ihn beruhige, in den SUVs, die hier allenthalben durchrasen sitzen ganz viele doitsche Kartoffeln und die stören mich ganz genauso mit ihrem Verhalten.

Nun zum Vater: War es okay, das Überholmanöver des Lieferwagenfahrers durch Ausscheren zu unterbrechen? Meiner Meinung nach: absolut. War es okay, den Lieferwagenfahrer zu konfrontrieren? Absolut. War es okay, das im Stil einer Handgreiflichkeit zu machen? Nein. War das produktiv, hilfreich? Absolut nicht.

Habe ich Verständnis dafür? Absolut.

Wer einmal mit einem Kind, das gerade Radfahren gelernt hat, unterwegs war, weiß, dass es sackgefährlich ist, man unglaublich aufpassen muss und dass es Autofahrende gibt, denen das absolut scheiß egal ist. Wo ein Erwachsener unter einem Pkw oder gar Lieferwagen vielleicht noch mit ner gebrochenen Hüfte davon kommt, ist das Kind einfach tot.

Und dieser Gedanke schien auch diesem Lieferwagenfahrer nicht in den Sinn zu kommen.

Aber klar: Ist ja nix passiert.

Quintessenz:
* Aaaaarrrggghhh!
* Überholabstände und dass Überholen per se durchaus gefährlich ist, scheint bei Autofahrenden immer noch nicht angekommen zu sein.
* Mitarbeitende bekommen von ihrem Chefs Druck und Dinge gesagt, die sie selbst in Schwierigkeiten bringen.
* Hinterm Steuer scheint man sich immer im Recht zu fühlen.
* Auch jahrelange Beschwerden der Bürgerschaft führen bei der Stadtverwaltung nicht dazu, sich um durchaus gefährliche Stellen auch nur halbwegs angemessen zu kümmern.
* ist keine Fahrradstadt. Auch keine Fußgängerstadt. Sie hat alle Voraussetzungen dafür (flach, kompakt, guter ÖPNV), aber man hat nicht die geistige und politische Reife, die über Jahrzehnte antrainierten Autoreflexe abzulegen. ist und bleibt .

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